Im September 2022 stellten die Abgeord­neten Julia Willie Hamburg und Meta Janssen-Kucz (beide Bündnis 90/Die Grünen) die kleine parla­men­ta­rische Anfrage, wie viele geschlechts­an­glei­chende Opera­tionen an Kindern unter zehn Jahren in Nieder­sachsen durch­ge­führt werden?

Kleine Anfragen können durch jedes Mitglied des nieder­säch­si­schen Landtages zur kurzfris­tigen schrift­lichen Beant­wortung durch die Landes­re­gierung gestellt werden und sind Mittel der parla­men­ta­ri­schen Kontrolle und Infor­mation.

Zur Anfrage

Im Mai 2021 trat das Bundes­gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechts­ent­wicklung in Kraft. Dieses Gesetz verbietet medizi­nische Behand­lungen an nicht-eiwil­li­gungs­fä­higen Kindern, die nur der Anglei­chung an ein männliches oder weibliches Normge­schlecht dienen. In Ausnah­me­fällen kann eine Geneh­migung des Famili­en­ge­richtes nach ausführ­licher Prüfung erfolgen.

Wie viele „geschlechts­an­glei­chende“ Opera­tionen in den letzten 5 Jahren in nieder­säch­si­schen Kranken­häusern an Kindern unter 10 Jahren durch­ge­führt wurden, ermittelt die kleine Anfrage. Dazu wurde die Häufigkeit spezi­eller Opera­tionen an den Genitalien erfragt.

In der Tendenz zeigt sich ein leichter Rückgang der Opera­tionen: Von 80 im Jahre 2017 zu 67 Opera­tionen in 2020. Besonders hoch waren dabei die Konstruk­tionen, Plastiken und andere Opera­tionen an der Vulva. Am höchsten waren plastische Rekon­struktion des Penis.

Einschätzung

In den Jahren 2017 bis 2020 gab es insgesamt 289 Opera­tionen an den Genitalien von Kindern unter 10 Jahren nach den abgefragten Opera­ti­ons­schlüsseln. Diese Zahl ist noch immer viel zu hoch! Anhand der durch­ge­führten Maßnahmen ist davon auszu­gehen, dass bei vielen der operierten Kinder eine Variante der geschlecht­lichen Entwicklung vorlag, vielleicht bekannt oder auch unent­deckt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es bei vielen dieser Opera­tionen möglich gewesen wäre bis zu einer selbst­be­stimmen Entscheidung des Kindes zu warten.

Leider waren nur Zahlen bis 2020, also vor Inkraft­treten des Gesetzes, verfügbar. Wir treten dafür ein, dass diese Anfrage in den kommenden Jahren wiederholt wird, um festzu­stellen, ob die Zahlen nach Inkraft­treten des Gesetzes signi­fikant gesunken sind.

Es wurden leider nicht die Opera­tionen aufgrund einer Hypospadie erfasst. Bei einer Hypospadie endet die Harnröh­ren­öffnung nicht an der Penis­spitze, sondern an der Unter­seite des Penis­schaftes, manchmal auch im Bereich des Dammes. Sie hat nicht unbedingt etwas mit einer Variante der Geschlechts­ent­wicklung zu tun und nur in seltenen Fällen ist eine medizi­nische Inter­vention notwendig. Es handelt sich oft um eine rein kosme­tische Operation, die aufgrund binärer Vorstel­lungen von Geschlecht durch­ge­führt wird. So wird es als zentrale und wichtige Erfahrung für Jungs angesehen im Stehen pinkeln zu können. Doch in vielen Fällen ziehen diese Opera­tionen Kompli­ka­tionen im späteren Leben nach sich, z.B. Schmerzen bei der Erektion. Da diese Opera­tionen sehr häufig durch­ge­führt werden und teilweise mit einer Variante der Geschlechts­ent­wicklung einher­gehen, treten wir dafür ein dass bei einer zukünf­tigen Anfrage auch die Häufigkeit dieser OPs mit aufge­nommen wird.

Seit Jahrzehnten streiten inter­ge­schlecht­liche Selbst­or­ga­ni­sa­tionen für ein Ende dieser norman­glei­chenden Opera­tionen. Bisher wurden immer Schlupf­löcher gefunden, um trotzdem zu operieren, selbst medizi­nische Handlungs­leit­linien haben daran wenig geändert. Oft wird auf Druck von Medizinier*innen, aber auch von Eltern versucht Gesetze, Standards und Empfeh­lungen zu umgehen. Auch dieses Gesetz hat noch immer Schlupf­löcher und erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob es die gewünschte Schutz­wirkung entwi­ckelt. Das Gesetz schützt nur Kinder mit einer Variante der geschlecht­lichen Entwicklung. Was untern den Begriff fällt, ist zeitgeist­ab­hängig und es ist ein Leichtes Kinder aus diesem Diagno­sefeld heraus­zu­de­fi­nieren. Deshalb fordern Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nieder­sachen e.V. und das Queere Netzwerk Nieder­sachsen eine konse­quente Umsetzung, Evalu­ierung und Weiter­ent­wicklung dieses Gesetzes. Darüber hinaus muss die inter­ge­schlecht­liche Selbst­hilfe in Nieder­sachen und bundesweit insti­tu­tio­na­li­siert gefördert und medizi­ni­sches Personal umfassend geschult werden.

Hinter­grund

Auch in Deutschland kommen Kinder zur Welt, deren körper­liche Geschlechts­merkmale zwischen den gängigen medizi­ni­schen Kategorien von Mädchen und Jungen liegen oder eine Mischung von beiden sind. Diese Kinder wurden oftmals medizi­ni­schen Maßnahmen unter­zogen, die ein männliches oder weibliches Normge­schlecht herstellen sollten. Diese Maßnahmen waren nicht medizi­nisch notwendig, sondern rein kosme­tisch und wurden oft an nicht-einwil­li­gungs­fä­higen Klein­kindern vollzogen. Als „Heilbe­handlung“ getarnt, waren sie reine Normierung und Ausdruck einer rigiden hetero­nor­ma­tiven Sicht auf die Welt. Das Leid trugen die Kinder: Waren sie vorher gesund, mussten sie nun mit den Folgen der Eingriffe leben. Oft waren Folge­ope­ra­tionen notwendig, Narben schmerzten und die sexuelle Empfind­samkeit und Orgas­mus­fä­higkeit konnten beein­trächtigt werden. Wurden „femini­sie­rende“ Opera­tionen durch­ge­führt, aber die geschlecht­liche Identität entwi­ckelte sich nicht weiblich, waren Tatsachen geschaffen, die nicht rückgängig zu machen waren. Kurzum: Diese Eingriffe waren schwere Menschen­rechts­ver­let­zungen. Sie griffen massiv in das Recht auf körper­liche Unver­sehrtheit, sowie auf das Recht auf sexuelle und geschlecht­liche Selbst­be­stimmung ein. Selbst­or­ga­ni­sa­tionen inter­ge­schlecht­licher Menschen wehren sich seit Jahrzehnten massiv gegen diese medizi­ni­schen Maßnahmen.

Im Mai 2022 trat deshalb das „Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechts­ent­wicklung“ in Kraft: „Im Wesent­lichen begrenzt das neue Gesetz die Perso­nen­sorge von Eltern inter­ge­schlechtlich geborener Kinder, in dem es klar formu­liert, dass die Perso­nen­sorge nicht das Recht umfasst in die Behandlung nicht einwil­li­gungs­fä­higer Kinder mit einer Variante der Geschlechts­ent­wicklung einzu­wil­ligen oder diese selber durch­zu­führen […] wenn dies allein in der Absicht erfolgt, das körper­liche Erschei­nungsbild des Kindes an das des männlichen oder weiblichen Geschlechts anzupassen (vgl. §1631e Abs. 1 BGB).

Die Eltern dürfen nur noch in operative Eingriffe […] einwil­ligen, wenn der Eingriff nicht bis zu einer selbst­be­stimmten Entscheidung des Kindes aufge­schoben werden kann. Eingriffe, die nicht aufge­schoben werden können, sind medizi­nische Maßnahmen, die eine akute Gefahr für Leben und Gesundheit des Kindes abwenden sollen (vgl. 1631e Abs. 2 BGB). In allen anderen Fällen bedarf es für Eingriffe an den Genitalien von Kindern mit einer Variante der Geschlechts­ent­wicklung nun der Geneh­migung des Famili­en­ge­richts.“ (FAKTEN ZU INTER­GE­SCHLECHT­LICHKEIT #7).

Weitere Infor­ma­tionen auch in FAKTEN ZU INTER­GE­SCHLECHT­LICHKEIT #2. Alle weiteren Fakten­pa­piere sind hier zu finden: https://www.selbstverstaendlich-vielfalt.de/im-e‑v/

Die Plakat-Kampagne “Ich bin Inter* — Sieht man doch” geht in die nächste Runde. In der zweiten Novem­ber­hälfte werden die gelben Plakate in Lüneburg zu sehen sein. Am 21.11. Findet dazu eine Auftakt­ver­an­staltung im Check­point Queer Lüneburg statt. Um 18 Uhr wird dort der Film “Die Katze wäre eher ein Vogel gezeigt. Anschließend gibt es eine Podiums­dis­kussion mit Vertreter*innen von Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nieder­sachsen e.V. und lokalen Akteur*innen.  

Die Plakat-Kampagne war schon in Hannover, Braun­schweig und Gifhorn zu sehen. Mit diesen Plakaten werden inter­ge­schlecht­liche Menschen sicht­barer, denn Sicht­barkeit ist das zentrale Thema für die inter­ge­schlecht­liche Community. In der Vergan­genheit wurden sie oft durch sog. “geschlechts­an­glei­chende Opera­tionen” unsichtbar gemacht. Gewaltvoll sollten sie in eine Schublade gepresst werden, in die sie nicht passen. Sie sollten nicht gesehen werden. Auf den Plakaten zeigen sie sich und auf der Kampa­gnen­website stellen sie sich vor.

Wie würde dein Leben aussehen, wenn du zwischen den Geschlechtern geboren worden wärst? In eine Welt, in der deine Identität ein Aufbe­gehren ist gegen das, was selbst­ver­ständlich scheint – oder ein gut gehütetes Geheimnis.

Gemeinsam mit inter­ge­schlecht­lichen Expert*innen hat die Frl. Wunder AG auf der Basis ihrer Theater­pro­duktion „Adam, Eva & Ich“ eine szenische Lesung zum Thema Inter­ge­schlecht­lichkeit entwi­ckelt. Die Performer*innen berichten über ihre Erfah­rungen mit Ärzten, Geschlechts­zu­weisung und Hormonen. Sie erzählen über Identi­täts­krisen, Lebenslust und Anders-Sein, sie reden Klartext mit denen, die nie zuhören wollten und insze­nieren Kindheits­er­in­ne­rungen und ihre Hoffnungen für eine Zukunft.

Der Abend wirft die Frage auf, wie unsere Gesell­schaft mit denen umgeht, die nicht ins Raster passen. Gemeinsam gehen wir auf Tauchgang, suchen nach Antworten im Dazwi­schen und lassen die Norm von unseren Körpern abperlen.

TRAILER: https://vimeo.com/510754555

WANN UND WO:

Hildesheim: Telemannsaal des Gymnasium Andreaneum – 13.10.2022, 9.45 Uhr + 14.10.2022, 8.00 Uhr

Braun­schweig: Haus der Kulturen – 15.10.2022, 20 Uhr

Hannover: Andersraum – 12.11.2022, 16 + 20 Uhr

Oldenburg: Hempels – 13.11.2022, 19 Uhr

EINTRITT FREI

VON UND MIT: Frl. Wunder AG. Anne Bonfert, Julia Gerasch, Vanja Kadow, Verena Lobert, Vanessa Lutz, Sandrao Mendig, Jessika-Katharina Möller-Langmaack, Malte Pfeiffer, Carmen Grünwald-Waack

KOOPE­RATION UND FÖRDERUNG: Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nieder­sachsen e.V., Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V., Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nordrhein-Westfalen, Landes­ko­or­di­nation Inter* im Queeren Netzwerk Nieder­sachsen e.V., Nieder­säch­si­sches Minis­terium für Soziales, Gesundheit und Gleich­stellung, Queer­am­nesty, Beauf­tragte für sexuelle und geschlecht­liche Vielfalt der Landes­haupt­stadt Hannover, Stiftung Leben und Umwelt, Gymnasium Andre­anuem Hildesheim

 

Yoshiko Kusano

Yoshiko Kusano

Yoshiko Kusano

Yoshiko Kusano

Yoshiko Kusano

Unter dem Titel „Alles divers? Geschlecht­liche Vielfalt in den Bildungs­plänen der Bundes­länder“ ist die achte Ausgabe der Publi­ka­ti­ons­reihe „Fakten zu Inter­ge­schlecht­lichkeit“ erschienen. Sie widmet sich der Frage ob und wenn ja, wie das Thema geschlecht­liche Vielfalt in den Bildungs­plänen der Bundes­länder verankert ist. Grundlage des Fakten­pa­pieres ist die umfang­reiche Recher­che­arbeit „Geschlecht­liche Vielfalt in Grund­schulen und weiter­füh­renden Schulen in Deutschland“, die im Auftrag von Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V. von Ursula Rosen durch­ge­führt wurde. Ursula Rosen ist Oberstu­di­en­rätin i.R. und Bildungs­be­auf­tragte von Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nieder­sachsen e.V.

Die neunte Ausgabe der Fakten zu Inter­ge­schlecht­lichkeit trägt den vielsa­genden Titel „(K)ein Recht auf Gesund­heits­ver­sorgung?“. Was brauchen inter­ge­schlechtlich geborene Menschen für eine gelungene und umfas­sende Gesund­heits­ver­sorgung? Das ist die zentrale Frage des Fakten­pa­pieres. Davon ausgehend wird erläutert, warum die Gesund­heits­ver­sorgung inter­ge­schlecht­liche Menschen oftmals so miserabel ist und was das Gesund­heits­system lernen muss, um inter­ge­schlecht­liche Menschen adäquat zu versorgen.

Die Publi­ka­ti­ons­reihe „Fakten zu Inter­ge­schlecht­lichkeit“ widmet sich aktuellen Frage­stel­lungen zum Thema Inter­ge­schlecht­lichkeit und beant­wortet diese fundiert und prägnant. Alle bisher veröf­fent­lichten Ausgaben sind hier zu finden.

Dieses Fakten­papier widmet sich der Frage wie Geschlecht­liche Vielfalt in den Curricula der Bundes­länder verankert ist. Dabei wird ein beson­derer Focus auf die Situation von inter­ge­schlecht­lichen Kindern in der Schule gelegt. Und schnell wird klar: Es gibt noch einiges zu tun! Das Fakten­papier ist hier zu finden: https://im-ev.de/wp-content/uploads/2022/07/Faktenpapier8_Alles_divers.pdf

Die Publi­ka­ti­ons­reihe “Fakten zur Inter­ge­schlecht­lichkeit” hält was sie verspricht: Sie präsen­tiert Fakten zur Inter­ge­schlecht­lichkeit konkret und präzise. Hier ist eine Übersicht aller bisher veröf­fent­lichten Fakten­pa­piere: https://www.selbstverstaendlich-vielfalt.de/im-e‑v/

Die Zeitschrift „impu!se – Zeitschrift für Gesund­heits­för­derung“ der Landes­ver­ei­nigung für Gesundheit und Akademie für Sozial­me­dizin Nieder­sachsen e. V. hat in ihrer gerade veröf­fent­lichten 115. Ausgabe »Queer und (un)gesund?« zum Thema gemacht.

 

Das erste Health-Monitoring des Robert Koch-Instituts zur gesund­heit­lichen Lage von lesbi­schen, schwulen, bisexu­ellen sowie trans- und inter­ge­schlecht­lichen Menschen hat ein wenig überra­schendes Ergebnis zu Tage gefördert: Die Datenlage zur Gesund­heits­ver­sorgung und zur allge­meinen gesund­heit­lichen Lage queerer Menschen ist äußerst lückenhaft.

 

In dieser Ausgabe sollen die spezi­ellen gesund­heit­lichen Bedarfe queerer Menschen in den Blick genommen werden. Insbe­sondere weil Minder­hei­ten­stress und Diskri­mi­nierung krank­ma­chende Faktoren sind unter denen viele queere Menschen leiden – auch in der Gesund­heits­ver­sorgung.

 

Zum Thema Inter­ge­schlecht­lichkeit haben Charlotte Wunn (1. Vorsitz von Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V.) und Michael Rogenz (Landes­ko­or­di­nation Inter* im QNN) den Artikel “Gesunde Menschen – Krank machende Medizin” veröf­fent­licht. Der Artikel nimmt die spezi­ellen Bedarfe inter­ge­schlecht­licher Menschen an das Gesund­heits­system in den Blick und beleuchtet die Forde­rungen die inter­ge­schlecht­liche Menschen stellen.

Liebe Kinder, Jugend­liche und junge Erwachsene, liebe Eltern, Verbündete und Unterstützer*innen, liebe Kolleg*innen und Inter­es­sierte,

die Umfrage #WirRe­denMit geht in die letzte Runde und sucht noch nach mehr inter* Kindern und Jugend­lichen bis 26 Jahre, die teilnehmen wollen!

Die Bundes­re­gierung hat in ihrem Koali­ti­ons­vertrag ein neues Selbst­be­stim­mungs­gesetz angekündigt. Doch wie sieht es mit der geschlecht­lichen Selbst­be­stimmung von Kindern und Jugend­lichen aus? Als Zusam­men­schluss von Verbänden und Projekten, die sich für trans*, inter* und/oder nicht-binäre Kinder und Jugend­liche einsetzen, wollen wir mit einer Online-Umfrage die Meinungen und Perspek­tiven von trans*, inter* und nicht-binären (TIN) Kindern und Jugend­lichen sammeln und in Gesell­schaft und Politik sichtbar machen! TIN-Kinder und Jugend­liche sollen mitreden und ihre Forde­rungen in das neue Selbst­be­stim­mungs­gesetz eingehen!

Bis jetzt haben vor allem viele trans* und/oder nicht-binäre Kinder und Jugend­liche an der Umfrage teilge­nommen, deshalb richtet sich die letzte Runde von #WirRe­denMit besonders an inter* Kinder und Jugend­liche.

Hier geht’s zur Umfrage:

https://survey.lamapoll.de/WirRedenMit-letzte-Runde/

Die Umfrage bleibt noch bis zum 19.06.2022 geöffnet. Leitet die Info bis dahin gern weiter, postet den Aufruf auf Social Media oder druckt ihn aus und hängt ihn in euren Gruppenraum, eure Beratungs­stelle usw.!

#WirRe­denMit ist eine Aktion von:

Bundes­verband Trans* (BVT*) | www.bundesverband-trans.de | instagram:@bv_trans

Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V. (ImeV) | www.im-ev.de | auch bei facebook

TRANS* — JA UND?! | www.transjaund.de | instagram: @transjaund Jugend­netzwerk Lambda e.V. | www.lambda-online.de | @lambda.bund

Liebe Grüße und vielen Dank!

Die Landes­ko­or­di­nation Inter* und die Landes­fach­stelle Trans* des QNN waren am 19.4. beim Fachtag “Sexuelle Bildung, Vielfäl­tigkeit und Kinder­schutz” der Gemeinde Isern­hagen. In dem Workshop „Trans*, Inter*, Queer? — Was ist das eigentlich und wie gehe ich damit um?“ wurde sich mit den grund­le­genden Aspekten sexueller und geschlecht­licher Vielfalt ausein­an­der­ge­setzt. Dazu wurden zentrale Begriffe und aktuelle Bedarfe geklärt, sowie Aspekte für das pädago­gische Handeln disku­tiert.

Dieser Fortbil­dungstag für alle pädago­gi­schen Fachkräfte der Gemeinde Isern­hagen war die Auftakt­ver­an­staltung zur gemein­samen Erstellung eines sexual­päd­ago­gi­schen Kinder­schutz­kon­zepts. In einem Impuls­vortrag hat Ralf Pampel die grund­sätz­lichen Fragen zum Verhältnis von kindlicher Sexua­lität und Kinder­schutz geklärt: Wie können wir Kinder gut vor sexua­li­sierter Gewalt schützen, ohne Gefahr zu laufen, die Sexua­lität zu verteufeln? Und wie können wir Kinder angemessen in ihrer Entwicklung begleiten und zu einer positiven und selbst­be­stimmten Sexua­lität befähigen, ohne die Gewalt- und Macht­aspekte der Sexua­lität auszu­blenden? Welche Rolle spielen dabei die Geschlechts­iden­ti­täts­ent­wicklung und der gesell­schaft­liche Umgang mit Geschlech­ter­rollen? Zum Abschluss des Fachtages hat Veuve Noire das Projekt „Olivia macht Schule“ vorge­stellt und aus der Arbeit des Projektes berichtet.

Nach einem Jahr inten­siver Planungs­arbeit war es am 23.04.2022 endlich so weit: Rund 30 Teilneh­mende haben sich zum Fachtag „Geschlecht­liche Vielfalt in der Gesund­heits­ver­sorgung” im Bildungs- und Veran­stal­tungs­zentrum des Klinikums Braun­schweig einge­funden. Der Fachtag war eine Koope­ration von Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V. (IMeV), der Koordi­na­ti­ons­stelle LSBTI der Stadt Braun­schweig, dem Verein für Sexuelle Emanzi­pation, SCHLAU Braun­schweig sowie der Landes­fach­stelle Trans* und der Landes­ko­or­di­nation Inter* im Queeren Netzwerk Nieder­sachsen. Dank der Bandbreite der Organi­sie­renden gelang es, verschiedene Themen der TIN-Gesund­heits­ver­sorgung mit einschlä­gigen Referie­renden zu disku­tieren. Der Fokus lag auf der Sensi­bi­li­sierung für trans* und nicht-binäre, sowie für inter* Belange in der Gesund­heits­ver­sorgung. Einge­laden waren Personen aus dem medizi­ni­schen und Gesund­heits­be­reich, z.B. Therapeut*innen, Ärzt*innen und Krankenhaussozialarbeiter*innen. Insbe­sondere dieser inter­dis­zi­plinäre Austausch machte die Veran­staltung zu einem vollen Erfolg! 

 

Das Programm wurde mit Grußworten von Charlotte Wunn, erste*r Vorsitzende*r von IMeV, Heiger Scholz, Staats­se­kretär des Nieder­säch­si­schen Minis­te­riums für Soziales, Gesundheit und Gleich­stellung sowie Martin Klock­gether, Fachbe­reichs­leiter Gesundheit und Soziales der Stadt Braun­schweig, eröffnet. Den thema­ti­schen Einstieg gab Heinz-Jürgen Voß von der Hochschule Merseburg mit einer Keynote zur Frage, was Geschlecht eigentlich ist und wie die Situation von trans*, inter* und nicht-binären Personen in Deutschland derzeit aussieht. Hierbei stellte er zu einem die biolo­gische Realität geschlecht­licher Vielfalt in den Vorder­grund, legte aber auch dar, dass trans*, inter* und nicht-binäre Menschen mit starken gesell­schaft­lichen Wider­ständen konfron­tiert sind. Vor allem in Bezug auf die hohen Raten von Selbst­ver­letzung und Suizid(versuchen) formu­liert Voß die Frage „Wie kann eine Gesell­schaft sich weiter­ent­wi­ckeln, damit auch trans* und inter* Personen sich vorstellen können in ihr zu leben?“. 

 

Ursula Rosen, zweite Vorsit­zende von IMeV und Robin Ivy Osterkamp von der Landes­fach­stelle Trans* im QNN widmeten sich der Frage, ob ein Paradig­men­wechsel in der Betrachtung von geschlecht­licher Vielfalt in der Gesund­heits­ver­sorgung abzusehen ist oder sogar schon statt­findet. Dazu stellten sie aktuelle Studien und Projekte vor die sich der Gesundheit von trans*, inter* und nicht-binären Menschen widmen. Hierbei fiel der Blick auf die gesell­schaftlich steigende Akzeptanz von trans*, inter* und nicht-binären Personen, aber auch auf den Abbau der Patho­lo­gi­sierung in Form von libera­leren Leitlinien, Verän­de­rungen von Bezeich­nungen sowie Reeva­luation der Behand­lungs­be­dürf­tigkeit. Leider mangelt es in vielen Bereichen der Gesund­heits­ver­sorgung noch immer an Wissen von und über trans*, inter* und nicht-binäre Personen. Dadurch entstehen lange Reisen zu Spezialist*innen, Warte­zeiten sowie Druck und Ablehnung in allen Bereichen des Gesund­heits­systems. Das führt dazu, dass sich diese Menschen in medizi­ni­schen Kontexten nicht sicher fühlen und sie meiden. Diese Vermei­dungs­stra­tegie bezahlen viele trans*, inter* und nicht-binären Menschen mit ihrer Gesundheit. Die Unsicher­heiten und Grenz­ver­let­zungen im Gesund­heits­system schil­derten Charlotte Wunn, Robin Ivy Osterkamp und Anjo Kumst von IMev in persön­lichen Erfah­rungs­be­richten. Leider ist die Medizin weiterhin oft binär gedacht und alles was nicht in diese engen Defini­tionen passt, wird schnell patho­lo­gi­siert und soll normiert werden. Deshalb fällt das Plädoyer eindeutig aus:  Mediziner*innen müssen Menschen in ihrer Indivi­dua­lität, ihren Bedürf­nissen und Wissen über den eigenen Körper ernst nehmen. 

 

Nach einer Mittags­pause gingen die Teilneh­menden in zwei Workshop­p­hasen, in denen sie die Chance hatten, sich in sechs verschie­denen Workshops weiter­zu­bilden. In diesen Workshops ging es bspw. um den adäquaten Umgang mit jungen trans* und inter* Personen, mit Eltern von inter­ge­schlecht­lichen Kindern, queeren Schwan­ger­schaften aber auch um die sexuelle Gesundheit von trans*, inter* und nicht-binären Menschen. In einer abschlie­ßenden Podiums­dis­kussion disku­tierten die Referie­renden zur Frage: “Was brauchen wir für eine ideale Gesund­heits­ver­sorgung von trans*, inter* und nicht-binären Menschen?”. Fazit war, dass wir stets zweigleisig fahren müssen: Auf der einen Seite müssen mit Regeln, Verord­nungen, Leitlinien und Gesetzen trans*, inter* und nicht-binäre Menschen geschützt werden. Aber das alleine genügt nicht, sondern es braucht einen umfas­senden Sinnes­wandel mit einer Entpa­tho­lo­gi­sierung, sowie ein weiteres Streiten um gesell­schaft­liche Akzeptanz.  

 

In den nächsten Wochen wird eine ausführ­liche Dokumen­tation des Fachtages folgen. 

 

Die Veran­staltung wurde von der BARMER, dem Verein Nieder­säch­si­scher Bildungs­in­itia­tiven, Inter­ge­schlecht­liche Menschen e.V., dem Queeren Netzwerk Nieder­sachsen e.V. und vom Nieder­säch­si­schen Minis­terium für Soziales, Gesundheit und Gleich­stellung gefördert. 

Die Landes­ver­ei­nigung für Gesundheit und Akademie für Sozial­me­dizin Nieder­sachsen e. V. bringt viertel­jährlich die Zeitschrift Impu!se für Gesund­heits­för­derung in Nieder­sachsen heraus. In der April­ausgabe 2022 zum Thema „Gesundheit rund um die Geburt – Perspek­tiven, Erfor­der­nisse, Barrieren“ findet sich ein Beitrag der Landes­ko­or­di­nation Inter* mit dem Titel „Inter­ge­schlecht­lichkeit ja bitte – eine gesunde Einstellung“. Die Autor*innen — Anjo Kumst, Vorstands­mit­glied bei Inter­ge­schlecht­liche Menschen Landes­verband Nieder­sachsen e. V. und Michael Rogenz, Landes­ko­or­di­nation Inter* im QNN — betonen, dass „der Körper nicht automa­tisch einen Hinweis auf die geschlecht­liche Identität eines Kindes gibt. Daraus folgt: Die einzige Antwort auf die Frage »Was ist es denn?« kann nur sein »Das
wissen wir erst, wenn das Kind sprechen kann.«“