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Für queere Paare mit Kinder­wunsch ist eine Adoption relevant, wenn keine gemein­samen Kinder gezeugt und ausge­tragen werden können. Bislang können in Deutschland nur Männer als Vater und somit als zweites Elternteil eines Kindes anerkannt werden. Wenn der nicht-gebärende Elternteil eine Frau ist oder den Geschlechts­eintrag divers oder keine Angabe hat, muss diese Person das Kind des gebärenden Eltern­teils adoptieren. Die Adoption des Kindes durch Partner*innen wird Stief­kind­ad­option genannt.

Hinweis:

Eine Reform des Abstam­mungs­rechts ist innerhalb der aktuellen Legis­la­tur­pe­riode geplant. Zur Druck­legung liegt ein Eckpunk­te­papier des Bundes­jus­tiz­mi­nis­te­riums vor.

Das Allge­meine Gleich­be­hand­lungs­gesetz (AGG) verbietet seit 2006 Diskri­mi­nierung aufgrund von Geschlecht, Religion, Behin­derung, Alter, sexueller Identität sowie aus Gründen der ethni­schen Herkunft oder rassis­ti­schen Gründen. Es regelt den Schutz vor Diskri­mi­nierung z. B. im Arbeits­leben, im Gesund­heits­system, im Bildungs­be­reich sowie bei Alltags­ge­schäften. Es verpflichtet zur Einhaltung des Diskri­mi­nie­rungs­verbots und schafft recht­liche Grund­lagen für Betroffene, um gegen Diskri­mi­nierung vorzu­gehen. Das AGG soll die Chancen­gleichheit fördern und zur Schaffung einer inklu­siven Gesell­schaft beitragen.

Ein Ally (dt. ‚Verbündeter*r‘) ist eine Person, die sich aktiv für den Schutz und die Rechte benach­tei­ligter Gruppen einsetzt, auch wenn sie selbst nicht Teil der Gruppe ist. Dies beinhaltet das Anerkennen der eigenen Privi­legien und das Bemühen, diese zu nutzen, um Ungerech­tig­keiten zu bekämpfen. Allys hören den Mitgliedern margi­na­li­sierter Gruppen zu und handeln im Einklang mit deren Bedürf­nissen und Anliegen. Sie engagieren sich aktiv gegen Diskri­mi­nierung und Ungleichheit und für soziale Gerech­tigkeit. Dazu kann es bereits gehören, diskri­mi­nie­rendes Verhalten oder diskri­mi­nie­rende Aussagen anzusprechen und deutlich zu machen, dass diese nicht toleriert werden.

Aromantik ist eine roman­tische Orien­tierung, bei der eine Person keine oder kaum roman­tische Anziehung bzw. kein Interesse an roman­ti­schen Bezie­hungen empfindet. Aroman­tische Menschen können andere Formen von Bezie­hungen eingehen sowie sexuelle Anziehung empfinden und Sexua­lität ausleben. Sie verspüren jedoch keine Notwen­digkeit von oder kein Verlangen nach roman­ti­schen Bezie­hungen und entwi­ckeln keine roman­ti­schen oder kaum roman­tische Gefühle. Diese roman­tische Orien­tierung bezieht sich nicht auf die Anziehung zu bestimmten Geschlechtern. Im Gegensatz zu aroman­ti­schen Personen werden Personen als alloro­man­tisch bezeichnet, wenn sie roman­tische Anziehung empfinden und roman­tische Bezie­hungen eingehen.

Asexua­lität ist eine sexuelle Orien­tierung, bei der eine Person kein oder nur ein geringes sexuelles Verlangen bzw. keine oder nur geringe sexuelle Anziehung empfindet. Asexuelle Menschen können roman­tische Bezie­hungen eingehen, ohne dabei sexuelle Anziehung zu verspüren. Es ist wichtig zu betonen, dass Asexua­lität nicht mit Abstinenz oder Unfähigkeit zur Intimität gleich­ge­setzt werden kann. Der Begriff Asexua­lität bezeichnet eine spezi­fische sexuelle Orien­tierung und ist zugleich ein Sammel­be­griff für das asexuelle Spektrum. Menschen, die sexuelle Anziehung zu anderen Menschen empfinden, werden als allose­xuell bezeichnet. Allose­xua­lität gilt somit als Gegenteil von Asexua­lität.

Binär bedeutet so viel wie ‚paarweise vorkommend‘. Das binäre Geschlech­ter­modell ist die Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gibt, die ein Gegen­satzpaar bilden – nämlich männlich und weiblich. Dieses binäre Modell wird auch als Zweige­schlecht­lichkeit bezeichnet. Die beiden Geschlechter lassen sich in einem engeren Verständnis des binären Konzepts zweifelsfrei anhand körper­licher Merkmale festlegen. Somit schließt es trans*, inter* und nicht-binäre Menschen aus. In einem weiteren Verständnis umfasst das binäre Modell sowohl cis als auch trans* und inter* Personen, die sich eindeutig als entweder männlich oder weiblich identi­fi­zieren.

Unter biolo­gi­schem Geschlecht wird eine medizi­nische Körpernorm verstanden, die bestimmte Kombi­na­tionen körper­licher Merkmale als männlich oder weiblich einordnet. Diese Geschlechts­zu­schreibung findet meist anhand der äußeren Genitalien bei der Geburt statt. Durch das biolo­gische Geschlecht schließen Menschen auf das spätere Sozial- und Rollen­ver­halten eines Kindes (Gender). Zu den Geschlechts­merk­malen gehören unter anderem Hormone, Chromo­somen, Genitalien und Körper­be­haarung. Die Vorstellung, dass es nur zwei feste Kombi­na­ti­ons­mög­lich­keiten körper­licher Merkmale gibt, ignoriert jedoch körper­liche Vielfalt und schließt dadurch bspw. inter* Menschen aus.

Bisexua­lität und ‑romantik bezeichnen die sexuelle und/oder roman­tische Anziehung sowohl zu Menschen des gleichen Geschlechts als auch anderer Geschlechter. Das bedeutet nicht, dass sich bisexuelle und ‑roman­tische Personen nur zu Menschen innerhalb des binären Geschlech­ter­systems hinge­zogen fühlen. Bisexua­lität/-romantik schließt die sexuelle und/oder roman­tische Anziehung z. B. zu nicht-binären Menschen nicht aus. Bisexua­lität/-romantik ist eine gewählte Selbst­be­zeichnung: Nicht alle Personen, die sich in Menschen verschie­dener Geschlechter verlieben oder mit ihnen Sex haben, bezeichnen sich also zwangs­läufig als bisexuell und/oder ‑roman­tisch. Zwischen den Begriffen Bisexua­lität/-romantik und Panse­xua­lität gibt es Überschnei­dungen.

Die Selbst­be­zeichnung Butch wird insbe­sondere von lesbi­schen und queeren Frauen verwendet. Sie kann sich aber z. B. auch auf nicht-binäre Personen beziehen. Eine Person, die sich als Butch identi­fi­ziert, präsen­tiert sich oft mit masku­linen Merkmalen und Ausdrucks­formen. Dies kann sich in der Kleidung, dem Haarschnitt, der Körper­sprache oder im Verhalten zeigen. Damit weichen Butches in ihrem Auftreten häufig von den hetero­nor­ma­tiven Geschlech­ter­rollen für Frauen ab. In den Anfängen der Lesben­be­wegung trugen gerade Butches dazu bei Geschlech­ter­ste­reotype und ‑erwar­tungen zu hinter­fragen. Der Begriff Butch wird häufig dem Begriff Femme gegen­über­ge­stellt.

Das Adjektiv cis beschreibt Personen, die sich mit dem Geschlecht identi­fi­zieren, das ihnen bei der Geburt aufgrund der äußeren Genitalien zugeschrieben wurde. Das Wort kommt aus dem Latei­ni­schen und bedeutet ‚diesseits‘. Der Begriff wird oft als Gegenteil zu trans* (lat. ‚jenseits‘) verwendet. Dadurch soll vermieden werden, dass es nur für ‚die Anderen‘ ein bezeich­nendes Wort gibt und eine Gegen­über­stellung von trans* und ‚normalen Menschen‘ entsteht. Anstelle von cis können auch die Wörter cisge­schlechtlich oder cisgender gebraucht werden.

Cisnor­ma­ti­vität setzt Cisge­schlecht­lichkeit als gesell­schaft­liche Norm voraus. Es wird also davon ausge­gangen, dass sich alle Menschen ihr ganzes Leben lang mit dem bei der Geburt zugeschrie­benen Geschlecht identi­fi­zieren. Zudem liegt der Cisnor­ma­ti­vität die Annahme eines binären Geschlech­ter­systems zugrunde, in dem es nur männlich und weiblich gibt. Damit werden trans*, inter* und nicht-binäre Personen unsichtbar gemacht, patho­lo­gi­siert und diskri­mi­niert. In vielen alltäg­lichen Situa­tionen wird Cisnor­ma­ti­vität deutlich, z. B. wenn die Eltern von Säuglingen gefragt werden „Was ist es denn?“. Dabei wird schon bei Kindern, die sich noch nicht selbst äußern können, eine klare Geschlechts­zu­ge­hö­rigkeit als Junge oder Mädchen erwartet.

Das Coming-out beschreibt den Prozess der Bewusst­werdung und Offen­barung der eigenen sexuellen Orien­tierung und/oder geschlecht­lichen Identität. Dabei wird zwischen innerem und äußerem Coming-out unter­schieden. Beim inneren Coming-out wird sich eine Person darüber bewusst, dass ihre sexuelle und/oder geschlecht­liche Identität von der Norm abweicht. Im inneren Coming-out wird die eigene Identität so weit erarbeitet, bis sich die Person sicher fühlt, sie anderen mitzu­teilen. Dieser Prozess kann in jedem Alter einsetzen und unter­schiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Dem inneren Coming-out folgt häufig das äußere Coming-out. Dabei teilt die Person ihre sexuelle und/oder geschlecht­liche Identität ihrem Umfeld mit. Dieser Schritt wird von vielen queeren Menschen als schwierig empfunden, da die Reaktion des Umfeldes schwer einzu­schätzen ist.

Unter Community (dt. ‚Gemein­schaft‘) wird eine Gruppe von Menschen verstanden, die gleiche oder ähnliche Erfah­rungen und gesell­schaft­liche Positio­nie­rungen teilen. Daraus erwächst ein Gefühl der Verbun­denheit. Die Zugehö­rigkeit zu einer Community ist nicht an formelle Teilnahme oder aktive Betei­ligung gebunden, sondern entsteht über das Gefühl dazuzu­ge­hören. Gleich­zeitig bietet die Community vielen Personen eine Möglichkeit, sich einzu­bringen und für sie sichere Orte zu schaffen. Der Begriff in der Einzahl kann den Eindruck erwecken, dass alle Menschen innerhalb einer Community gleich sind. Deswegen wird in queeren Kontexten manchmal von Commu­nities in der Mehrzahl gesprochen, um verschiedene Gruppen innerhalb der queeren Community sichtbar zu machen.

Der Chris­topher Street Day ist eine Demons­tration für queere Menschen­rechte. Er geht histo­risch auf die Ausein­an­der­set­zungen zwischen der Polizei und dem queeren Publikum der Bar Stonewall Inn in der New Yorker Chris­topher Street am 28. Juni 1969 zurück. Nach langer Zeit der Unter­drü­ckung und Drang­sa­lierung durch die Polizei wehrten sich hier mitunter zum ersten Mal queere Menschen gegen diese Repression, wodurch der queere Kampf um Gleich­be­rech­tigung sichtbar wurde.

Daraufhin etablierten sich zuerst in den USA und später weltweit jährliche Demons­tra­ti­ons­ver­an­stal­tungen, die im Geiste dieser Unruhen auf das weiter bestehende Unrecht aufmerksam machen und es bekämpfen wollen. Die Abkürzung CSD ist nur in deutsch­spra­chigen Ländern üblich. In englisch­spra­chigen Ländern wird der Chris­topher Street Day häufig als ‚Pride Parade‘ oder ‚Gay Pride‘ bezeichnet.

Der Deadname (dt. ‚toter Name‘) ist ein im Laufe des Lebens abgelegter Name. Manchmal wird er auch als ‚Geburtsname‘ bezeichnet, da es sich hierbei meistens um den Namen handelt, der einer Person nach der Geburt gegeben wurde. Vor allem trans* Personen wählen im Rahmen ihrer Transition meist einen neuen Namen, der zu ihrer Geschlechts­iden­tität passt. Der Deadname hat dann nicht für alle, aber für viele negative Assozia­tionen und kann zum Trigger bspw. für Dysphorie werden. Er sollte daher vermieden werden, um negativen Folgen für die psychische Gesundheit vorzu­beugen. Entgegen dem besseren Wissen den Deadname einer Person zu verwenden, wird Deadnaming genannt.

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