Landtagswahlprogramme der Parteien im queerpolitischen Vergleich

Das QNN hat zur niedersächsischen Landtagswahl  queerpolitische Forderungen aufgestellt und diese in Querschnittsthemen zusammengefasst.

Doch was sagen die Landtagswahlprogramme der Parteien? Welche queerpolitischen Ziele wollen die Parteien in der nächsten Leglislaturperiode umsetzen? Im Folgenden haben wir unsere Forderungen thematisch den jeweiligen Orginalzitaten aus den Wahlprogrammen der Parteien gegenüber gestellt.

Die Wahlprogamme im Original können unter den folgenden Bilder-Links gedownloaded werden:

Allgemeine Queerpolitische Forderungen

Das QNN fordert:

  • Ergänzung von Artikel 3 der niedersächsischen Verfassung, um das Merkmal der sexuellen und geschlechtlichen Identität.
  • Akzeptanz und diskriminierungsfreie Teilhabe von queeren Menschen als Querschnittsaufgabe in allen Ministerien und Verwaltungsbehörden etablieren.
  • Institutionalisierte Förderung der landesweiten queeren Selbstorganisationen und Interessensvertretungen.
  • Bedarfsgerechte Finanzierung regionaler queerer Angebote.
  • Erweiterung des NDR-Rundfunkrates um einen queeren Vertretungssitz.

Das sagen die Parteien:

„Wir werden uns für die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung und  Sichtbarkeit der LSBTIQ*-Community in Niedersachsen einsetzen. Dazu werden  wir uns dafür einsetzen, den Artikel 3 Absatz 3 der Niedersächsischen Verfassung  um das Merkmal der sexuellen und geschlechtlichen Identität zu erweitern.“

S.69

„Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität: Wir Freie Demokraten fordern die Erweiterung des der besonderen Diskriminierungsverbote in der Niedersächsischen Landesverfassung und im Grundgesetz um den Schutz vor  Diskriminierung aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität. Damit  schützen wir die persönliche Lebensführung von Menschen, die an vielen Stellen  Diskriminierung ausgesetzt sind und setzen ein Zeichen gegen solche Formen der Diskriminierung in einigen Mitgliedstaaten der EU.“

Vgl. S.55

„Niedersachsen ist so queer wie die Menschen, die darin leben. Sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum gibt es lesbische, schwule, bi-, a- und  pansexuelle, trans*, inter* und nichtbinäre Menschen in allen Generationen. Wir treten dafür ein, dass queere sexuelle Orientierungen und geschlechtliche  Identitäten als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft anerkannt und als  solche sichtbarer werden.“

S.177

„Das Land Niedersachsen muss sich aktiv für die Gleichstellung von FLINTA*  (Frauen, Lesben, Intersexuelle, Nicht-Binäre, Transgender- und Agender- Personen) einsetzen und für FLINTA* Schutzräume schaffen. FLINTA* müssen politisch, gesellschaftlich und beruflich endlich gleichermaßen teilhaben können.  Wir brauchen Zeit zum Leben, Lieben, Lachen!“

S.51

„Wiedergutmachung begangenen Unrechts. Das gilt für die bis 1969 zu  Gefängnisstrafen verurteilten Homosexuellen, ebenso wie für die Opfer der  Berufsverbote in den 70er und 80er Jahren.“

S.66

„Eine Aufnahme des Verbots der Diskriminierung wegen sexueller Identität in die Landesverfassung.“

S.82

Arbeit

Das QNN fordert:

  • Implementierung eines Diversity-Managements und -Monitoring im öffentlichen Dienst des Landes Niedersachsen.
  • Durchführung einer Wirkungsforschung zum Stand der bisher ergriffenen AGG-Maßnahmen im öffentlichen Dienst.
  • Beseitigung rechtlicher Ungleichbehandlungen und Überprüfung von Regelungen nach den Vorgaben des Gleichbehandlungsgebots und des Diskriminierungsverbots.

Das sagen die Parteien:

„Wir schaffen ein Niedersächsisches Antidiskriminierungsgesetz nach dem Vorbild des Berliner Antidiskriminierungsgesetzes, das einen umfassenden Schutz vor Diskriminierung durch öffentliche Einrichtungen des Landes und der Kommunen bietet. Hierdurch schließen wir Rechtsschutzlücken zwischen dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und dem Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetz (NGG).“

S.177

Im Dialog mit der Ampelkoalition im Bund, mit der Wirtschaft und den  Gewerkschaften setzen wir uns für die wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen, inter*, nichtbinären und trans* Personen ein, die heute immer noch im Durchschnitt weit weniger verdienen und deutlich stärker von (Alters-)Armut betroffen sind als Männer.“

S.182f.

Beratung & Selbsthilfe

Das QNN fordert:

  • Finanzierung eines flächendeckenden professionellen Beratungsangebotes, insbesondere für trans* und inter* Menschen.
  • Fortbildungen für Regelberatungsstrukturen in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, um eine diskriminierungsarme Erst- und Verweisberatung zu ermöglichen.
  • Erhöhte Projektförderung von Selbsthilfegruppen und Peer-to-Peer Beratungsangeboten.

Das sagen die Parteien:

„Maßnahmen und Projekte, die aktiv gegen Diskriminierung von LSBTIQ*- Personen vorgehen, wollen wir fördern, auch in ländlichen Räumen. Dies betrifft etwa psychosoziale Beratungsarbeiten [sic], Aufklärungs- und Toleranzprojekte in Schulen sowie Projekte für Erwachsene oder Seniorinnen und Senioren.“

S.55

„Wir wollen insbesondere im ländlichen Raum ein Netzwerk von Unterstützungs- und Vernetzungsstrukturen für queere Menschen schaffen. Insbesondere werden  wir eine flächendeckende Beratung für trans*, inter* und nicht binäre Personen  (…) ermöglichen. Der Zugang soll niedrigschwellig ermöglicht werden, um  Hemmschwellen abzubauen.“

S.177

„Neben dem unschätzbaren ehrenamtlichen Engagement im queeren Bereich  braucht es eine professionelle Angebotsstruktur, um dem steigenden Bedarf an  fachlicher Beratung und Information gerecht zu werden. Wir treten daher für eine stärkere und nachhaltige Förderung queerer Struktur in der Selbsthilfe und  Interessenvertretung ein.“

S.178

„Stärkere Förderung von unabhängigen Beratungsstellen für Frauen, Migrant*innen und LGBTIQA* (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/ Transgender,  Queer, Intersexual und Asexual).“

S.17

„Die flächendeckende Schaffung queerer Begegnungsorte und die Etablierung von  psychosozialer, spezialisierter Beratung für queere/ LGBTIQA*, auch für  Jugendliche. Wir unterstützen die Errichtung queerer Zentren in Niedersachsen, die diese Beratung gewährleisten können.“

S.82

Bildung & Schule

Das QNN fordert:

  • Schulrechtliche Vorgaben zum sensiblen Umgang mit trans*, inter* und nicht-binären Schüler*innen im Sinne einer selbstbestimmten geschlechtlichen Identitätsentwicklung.
  • Ausbau der Förderung der Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit von SCHLAU Niedersachsen.
  • Förderung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Schulen und Lehrkräfte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, wie z.B. das Projekt ‚Schule der Vielfalt* Niedersachsen‘.
  • Verankerung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt als Querschnittsthemen in den Lehrplänen, sowie in der Aus- und Weiterbildung pädagogischer Berufe.
  • Schulformübergreifende Empfehlungen zum geschlechtersensiblen Sprachgebrauch in Lehrmaterialien, sowie im Schriftverkehr und amtlichen Dokumenten.

Das sagen die Parteien:

„Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig, so sind es auch Kinder und  Jugendliche. Leider ist sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Vielfalt oft ein  Grund für Mobbing und Diskriminierung in Schulen. Deshalb stehen wir dafür ein, queere Realitäten in der Bildung aktiv zu verankern und Kinder, Jugendliche,  Eltern und Lehrkräfte systematisch für queere Themen zu sensibilisieren sowie proaktiv weiter- und fortzubilden. Wir setzen uns mit gezielten Maßnahmen für ein breiteres Verständnis in der Gesellschaft für queere Themen ein.“

S.38

„Sexuelle Selbstbestimmung: Junge Menschen sollen zur selbstbestimmten Wahrnehmung der eigenen und zur Achtung fremder sexueller Autonomie zu befähigt werden. Daher sollen bereits an den niedersächsischen Schulen verstärkt  Fragen der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität, der sexuellen  Selbstbestimmung, zum Konsens bei sexuellen Handlungen und zur Prävention von  Missbrauch thematisiert werden.“

S.55

„Wir wollen, dass Schulen ihre Vielfalt leben und das Miteinander gestalten. Viele Schulen machen sich bereits Gedanken, wie sie Vielfalt aktiv gestalten und ein  respektvolles Miteinander an ihrer Schule unterstützen können. Diese Entwicklung wollen wir beför dern. Zur Umsetzung der dritten Option an Schulen und zur  Stärkung der Sichtbarkeit von unterschiedlicher sexueller und geschlechtlicher Identität werden wir SCHLAU Niedersachsen weiter fördern und uns für  Ansprechpersonen für LSBTIQ einsetzen, um die Schulen zu unterstützen. Ebenso sollen queere Themen Teil des Curriculums werden. Schulen sollen in Zukunft eine Ansprechperson für Vielfalt und Antidiskriminierung benennen.“

S.118

„An Schulen soll queeres Leben ein selbstverständlicher Teil des Alltagssein – ohne die Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Sensibilisierung für  queere Vielfalt wollen wir als Teil der Lehrkräfteaus- und Weiterbildung verankern. Schulen sollen Mitarbeitende des multiprofessionellen Teams als Ansprechpartner*innen für diese Belange benennen und das Land klare Regelungen für den nichtdiskriminierenden Umgang insbesondere mit trans*,  inter* und nichtbinären Menschen treffen. Projekte zur Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt an Schulen wollen wir stärker fördern und die  Förderung verstetigen.“

S.178

Gesundheit

Das QNN fordert:

  • Ergänzung der Curricula in Fort- und Weiterbildungen für medizinische Fach- und Pflegekräfte zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.
  • Sicherstellung eines flächendeckenden Zugangs zu einer queersensiblen Gesundheitsversorgung und geschlechtsangleichenden Maßnahmen, insbesondere im ländlichen Raum.
  • Konsequente und landesweite Umsetzung des Gesetzes zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (1631e BGB) und damit keine Eingriffe ohne informierte Einwilligung der intergeschlechtlichen Personen selbst.

Das sagen die Parteien:

„Wir stärken die bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung queerer Menschen in allen Lebensphasen und wirken auf eine bessere Berücksichtigung der Belange von inter*, trans* und nichtbinären Personen in der medizinischen Ausbildung hin.“

S.178

„Die Stärkung der Aids-Prävention und der Integration von HIV-positiven Menschen.“

S.82

Gleichstellungspolitik

Das QNN fordert:

  • Erweiterung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetz (NGG) auf alle Geschlechter.
  • Landesweite Vorgaben zur Gleichstellung aller Geschlechter in der kommunalen Gleichstellungspolitik.
  • Landesweite Empfehlungen für einen gendergerechten Sprachgebrauch in Verwaltung und Behörden.
  • Schaffung von genderneutralen sanitären Anlagen in öffentlichen Gebäuden.

Das sagen die Parteien:

„Eine queersensible Arbeitsweise und die Verwendung geschlechtergerechter Sprache machen wir in den kommenden Jahren in allen Behörden des Landes zum Standard. (…) Wir wirken darauf hin, dass auch für trans*, inter* und nichtbinäre Menschen angst- und  diskriminierungsfrei nutzbare Toiletten in öffentlichen Gebäuden zur Verfügung stehen. Mit dem Niedersächsischen Antidiskriminierungsgesetz verbessern wir den Schutz queerer Menschen vor Diskriminierung.“

S.178

Die tatsächliche Gleichstellung von Frauen, inter* und trans* Personen ist ein  Grundstein grüner Politik und durchzieht unsere Programmatik als  Querschnittsaufgabe für alle Politikbereiche (Gender Mainstreaming).“

S.182

„Eine geschlechtsneutrale Sprache bzw. für eine die Vielfalt der Geschlechter widerspiegelnde Sprache in der öffentlichen Verwaltung.“

S.82

Kinder & Jugend

Das QNN fordert:

  • Landesweite Förderung und Ausbau der Empowerment- und Unterstützungsstrukturen für queere Kinder und Jugendliche.
  • Informations- und Fortbildungsangebote für alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe zum Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.
  • Unterstützung der Reform des aktuellen Abstammungsrechtes im Sinne der Kinderrechte zur Akzeptanz der geschlechtlichen Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen.

Das sagen die Parteien:

„Wir unterstützen queere Jugendarbeit und fördern den Aufbau queerspezifischer  Kompetenzen in der Jugendverbandsarbeit.“

S.177

Migration & Flucht

Das QNN fordert:

  • Einrichtung einer Projektfachstelle zur Unterstützung und Beratung von queeren Geflüchteten, Migrant*innen und deren Selbstorganisationen.
  • Etablierung von sicheren Erstaufnahmestellen und Unterkünften für queere Geflüchtete und Schulungen für Mitarbeitende.
  • Förderung von Projekten für queere Geflüchtete und queerer migrantischer Selbstorganisationen.

Das sagen die Parteien:

„Die besonderen Bedürfnisse von allein fliehenden Frauen, Familien mit Kindern und queeren Personen sowie Menschen mit Behinderung müssen dabei  berücksichtigt werden.“ „Zur Unterstützung queerer Geflüchteter wollen wir  öffentliche Stellen gezielt sensibilisieren und besondere Angebote schaffen.“

S.161

Öffentliche Sichtbarkeit

Das QNN fordert:

  • Queere Vertretungssitze in allen relevanten gesellschaftlichen Gremien, wie z.B. Senior*innen-, Integrations- und Rundfunkräten.
  • Durchgehende Repräsentation queerer Menschen in der Öffentlichkeitsarbeit der niedersächsischen Landesregierung.
  • Änderung des Niedersächsischen Wappengesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen, um das Hissen von queeren Flaggen vor öffentlichen Gebäuden zu ermöglichen.

Das sagen die Parteien:

„Wappengesetz und Fahnenerlass wollen wir anpassen, um das Hissen der Regenbogenflagge vor öffentlichen Gebäuden einfacher zu ermöglichen.“

S.178

Pflege & Alter

Das QNN fordert:

  • Einrichtung einer landesweiten Projektfachstelle zur Sensibilisierung, Beratung und Schulung von Institutionen der Altenpflege.
  • Förderung von selbstbestimmten queeren Wohnkonzepten im Alter.
  • Inklusion queersensibler Inhalte in die Curricula der Ausbildung und des Studiums der Pflege und Pflegewissenschaft.
  • Aufnahme von Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in die Alters- und Pflegeforschung.

Das sagen die Parteien:

„Die Situation queerer Menschen im Alter verbessern wir, indem wir für ihre  besonderen Bedarfe sensibilisieren, ihre Sichtbarkeit stärken und Projekte für ein  Altern in Würde fördern.“

S.178

Polizei & Justiz

Das QNN fordert:

  • Einrichtung einer zivilgesellschaftlichen Anlauf- und Beratungsstelle für die Opfer von queerfeindlicher Hasskriminalität und Mobbing.
  • Schulungen für Bedienstete der Polizei zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.
  • Eine LSBTIQ* Ansprechperson in jeder Polizeiinspektion.
  • Schulungen von Personal in Justizbehörden über die aktuellen gesetzlichen Grundlagen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.
  • Anerkennung des dgti-Ergänzungsausweis in sämtlichen niedersächsischen Behörden und Institutionen.

Das sagen die Parteien:

„Wir stehen außerdem entschlossen an der Seite der queeren Menschen und setzen uns für eine konsequente Bekämpfung von Hasskriminalität in Niedersachsen ein.  Dafür ist zunächst eine umfassende statistische Erfassung von Hasskriminalität  notwendig, eine Stärkung der Strafzumessung im Strafgesetzbuch (StGB) sowie  eine umfassende Sensibilisierung der Beamtinnen und Beamten:
• Stärkung § 46 StGB Grundsätze der Strafzumessung: um „politisch motivierte / ideologische Hasskriminalität“
• Umfassende statistische Erfassung von Hasskriminalität in Niedersachsen
• Aufklärung und Sensibilisierung von Polizistinnen und Polizisten für LSBTIQ*-Hassverbrechen: Nur Beamtinnen und Beamte, die
Hasskriminalität erkennen, ohne dass Opfer sich aktiv outen müssen, können diese entsprechend in den Akten aufnehmen.

S.60

„Diskriminierungen, Gewalt und Hasskriminalität gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen treten wir konsequent entgegen.  Wir stehen entschlossen an der Seite der queeren Menschen und setzen uns für ein breiteres Verständnis in der Gesellschaft für queere Themen ein. Die SPD-geführte Landesregierung wird daher einen Landesaktionsplan gegen Homo-, Trans- und  Queerfeindlichkeit initiieren und diesen konsequent umsetzen.“

S.69

„Für uns steht dabei der Schutz von Minderheiten an erster Stelle. In unserer diversen Gesellschaft ist die Aufmerksamkeit für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie Trans- und Intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) richtigerweise stark gewachsen. Weil sie in ihrem Alltag noch immer mit Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen konfrontiert sind, wollen wir Rahmenbedingungen schaffen, in denen die LSBTIQ-Gemeinschaft sicher und diskriminierungsfrei leben kann. Daher werden wir:
• Polizei und Staatsanwaltschaften für LSBTI-feindliche Gewalttaten sensibilisieren. Dazu gehört auch, dass ein vermeintlicher Opferschutz nicht zu Verschleierung der Motivlagen der Täter führt.
• die Arbeit der LSBTI-Ansprechpersonen bei der niedersächsischen Polizei sowie die Arbeit des Landespräventionsrates stärken und weiterentwickeln.
• im ländlichen Raum ein LSBTI-freundlicheres Umfeld schaffen. Durch die Einrichtung entsprechender Gruppen in Jugendzentren und Beratungsstellen in den Kreisstädten können alle Niedersachsen ins Gespräch kommen und gleichzeitig Vorbehalte abbauen. Wir werden die Kommunen dabei unterstützen.“

S. 114

„LSBTIQ*-Feindlichkeit und -Stigmatisierung stellen wir uns entschieden entgegen und streben eine vollständige Gleichstellung von LSBTIQ*-Menschen an.“

S.55

„Wir wollen unsere öffentlichen Einrichtungen, die Bildungseinrichtungen und die Polizei fit machen für die vielfältige Gesellschaft.“ „In der Personalgewinnung gilt  es, für noch mehr Personen mit Migrationsgeschichte, queere Menschen und andere bisher nicht angemessen repräsentierte Gruppen zum attraktiven  Arbeitgeber zu werden.“

S.163f.

„Angetrieben von digitalen Kanälen haben Hassrede und Hasskriminalität in den letzten Jahren merklich zugenommen. Zum Ziel werden oft Angehörige religiöser  Minderheiten, People of Color, migrantisch gelesene Personen, queere Menschen  oder Menschen mit Behinderung – und zunehmend Personen, die öffentlich für  Vielfalt, Demokratie und Toleranz eintreten, wie Bürgermeister*innen und  ehrenamtliche Kommunalpolitiker*innen. Wir sagen Hassrede und  Hasskriminalität den Kampf an. Dazu stärken wir die Aufklärung und Ahndung von Hass im Netz und schaffen für die Meldung, Anzeige und statistische Erfassung von Hassdelikten zusätzliche Möglichkeiten, die über die bisherigen Formen  hinausgehen.“

S.176

„Hasskriminalität gegen queere Menschen bekämpfen wir besser – durch mehr  Aufklärung, Prävention, eine zivilgesellschaftliche Anlaufstelle für die Opfer queer spezifischer Gewalt sowie eine gezieltere Strafverfolgung.“

S.177

„Gewaltschutz wollen wir als ressortübergreifende Aufgabe verankern und eine  Gesamtstrategie Frei leben ohne Gewalt zum Gewaltschutz umsetzen. Dabei  braucht es durchgängig eine intersektionale Perspektive – also einen Blick auf die besondere Situation von Migrantinnen, Frauen mit Behinderung, queeren Menschen, Drogen gebrauchenden Frauen, Frauen in Armut und wohnungs- und  obdachlosen Frauen.“

S.183

„Wir wollen sowohl die Gewaltprävention als auch die Strafverfolgung von Gewaltdelikten und Hasskriminalität gegen Frauen, queere Menschen, inter* und trans* Personen stärken. Hierzu gehört für uns neben der Sensibilisierung von Polizei und Justiz auch ein Ausbau der Täterarbeit, um Wiederholungstaten zu verhindern. Frauen feindliche und queerfeindliche Straftaten, insbesondere Femizide, sollen in der polizeilichen Kriminalstatistik gesondert erfasst und so  sichtbarer gemacht werden.“

S.185

„Wir stehen für die Akzeptanz und Anerkennung vielfältiger Lebensweisen, geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierungen ein. Obwohl  Niedersachsen ein tolerantes und weltoffenes Land sein will, sind Ausgrenzung, Diskriminierungen, Beleidigungen und auch Gewalt immer noch bittere Realität für Schwule, Lesben, Transgender und Intersexuelle. FLINTA* (Frauen, Lesben, Inter, Non-Binary, Trans und Agender) sollen nicht wegen ihrer geschlechtlichen, LGBTIQA* (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Queer, Intersexual und Asexual) nicht aufgrund ihrer sexuellen Identität benachteiligt werden.“

S.82

Regenbogenfamilien

Das QNN fordert:

  • Aufbau eines landesweiten Beratungs- und Unterstützungsangebotes für Regenbogenfamilien und queere Menschen mit Kinderwunsch.
  • Schulungen zum Thema Regenbogenfamilien für Mitarbeiter*innen in Jugendämtern.
  • Gleichstellung von queeren Paaren bei der finanziellen Beihilfe des Landes Niedersachsen zur Realisierung des Kinderwunsches.

Das sagen die Parteien:

„Wir wollen insbesondere im ländlichen Raum ein Netzwerk von Unterstützungs-
und Vernetzungsstrukturen für queere Menschen schaffen. Insbesondere werden  wir eine flächendeckende Beratung (…) für Familien mit genderqueeren Kindern  ermöglichen. Der Zugang soll niedrigschwellig ermöglicht werden, um  Hemmschwellen abzubauen.“

S.177

Sport

Das QNN fordert:

  • Konsequente Umsetzung der Empfehlungen der ‚Bremer Erklärung‘ der Sportministerkonferenz in Niedersachsen.
  • Förderung von Maßnahmen und Projekten zur Akzeptanzsteigerung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Breitensport in Niedersachsen.

Das sagen die Parteien:

„Wir werden die Toleranz und Akzeptanz von sexueller, ethnischer und  geschlechtlicher Vielfalt im Sport weiter fördern und Projekte zur Aufklärung und  Sensibilisierung von Akteuren im niedersächsischen Breitensport weiterhin  unterstützen.

S.70

„Sportvereine und -verbände sollen für den Umgang mit queeren Themen sensibilisiert und queere Sportarbeit besser unterstützt werden. Wir setzen uns  dafür ein, dass geschlechtliche Identität, Unterschiedlichkeit von Körpern und sexuelle bzw. romantische Orientierung, sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Rechte in der Schule angemessen und vorurteilsfrei thematisiert  werden, explizit auch außerhalb des Sexualkundeunterrichts.  Geschlechterdifferenzierte Angebote im Sportunterricht reduzieren wir zu gunsten von Mixed-Sport-Angeboten. Wir setzen uns für einen sensiblen Umgang mit sowie eine angemessene räumliche Berücksichtigung von trans*, inter* und nichtbinären Menschen ein. Dies kann beispielsweise durch die Schaffung von All-Gender-Toiletten in Form von abschließbaren Einzelkabinen mit Waschbecken sowie einen sensiblen Umgang mit Umkleidesituationen gelingen.“

S.177f.

„Sportverbände und -vereine, Fanprojekte und Fanbeauftragte unterstützen wir bei ihrem Einsatz für Vielfalt und Toleranz und in der queeren Sportarbeit.“

S.194